Der Ritus der Venus

Die Offiziere des Tempels:

VENUS blaue Robe.
TAURUS orangene Robe.
LIBRA grüne Robe.
PISCES karmesinrote Robe.
LUNA IN TAURUS silberne Robe.
SATURN IN LIBRA schwarze Robe.

Szene — Kein Offizier hat irgendeine Waffe. VENUS ist inthronisiert, zu ihrer Rechten befinden sich LIBRA und SATURN IN LIBRA, zu ihrer Linken TAURUS und LUNA IN TAURUS, während PISCES zu ihren Füßen liegt. Ihr Thron ist eine Austernschale, wie auf dem Gemälde von Botticelli. Vor ihm ist ein Schleier, außerhalb ein Altar und außerhalb des Tempels ein weiterer Schleier.

PRÄLUDIUM

Volles Licht. VENUS sitzt vor dem Altar, LIBRA und TAURUS zu ihren Seiten.

VENUS: 7777777.
LIBRA: 7777777.
TAURUS: 7777777.
VENUS: Bruder Libra, ich befehle dir, das Geheimnis der Venus zu verkünden.
LIBRA: rezitiert Swinburne’s „Hertha“. Alle lehnen sich zurück und schlafen.

Ich bin die, die von Anfang war;
Aus mir quellen die Jahre;
Aus mir entstehen Götter und Menschen;
Ich bin Eins und das Ganze;
Gott verändert sich, und der Mensch, und ihre körperliche Form;
Ich bin die Seele.

Bevor das Land war,
Bevor die See war,
Oder Gras wie sanftes Haar,
Oder die hübschen Äste der Bäume,
Oder die fleischfarbenen Früchte meiner Zweige, war ich,
Und deine Seele war in mir.

Erstes Leben aus meiner Quelle
Strömte und floß;
Aus mir kommen die Kräfte
Die Segnen oder Verfluchen;
Aus mir sind Mann und Frau, und Raubtiere und Vögel;
Bevor Gott war, bin ich.

Neben oder über mir
Ist Nichts wo ich hingehen kann;
Liebe oder liebe mich nicht,
Verkenne oder kenne mich,
Ich bin was mich liebt und wiederum nicht; Ich bin geschlagen,
Ich bin der Schlag.

Ich bin das Ziel, das verfehlt wird
Und der Pfeil, der verfehlt,
Ich bin der Mund, der geküßt wird
Und der Atem in dem Kuß,
Die Suche, das Gesuchte, und der Sucher, die Seele
Und der Körper.

Ich bin das Ding, das meinen
Erhabenen Geist segnet;
Das zärtlich ist mit
Unerschaffenen Händen;
Meine unbefruchteten Glieder, die die Länge des
Unermeßlichen Schicksals messen.

Aber welche Dinge tust du jetzt,
Götterwärts schauend, um zu weinen
„Ich bin ich, Du bist Du,
Ich bin niedrig, Du bist das Höchste“?
Ich bin Du, der du dich selbst findest; finde dich
In dir selbst, Du bist Ich.

Ich bin das Korn und die Furche,
Und die Pflug-gespaltene Scholle,
Durch die die Pflugschar bricht,
Der Same und die Erde,
Die Tat und der Tätige, der Same und der Säer,
Der Staub, welcher Gott ist.

Weißt du, wie ich dich erschuf,
Kind der Unterwelt?
Feuer, das dich in Leidenschaft entflammte,
Eisen, das dich band,
Trüb sich veränderndes Wasser, was von all diesen Dingen
Wußtest oder fandest du?

Kannst du in deinem Herzen sagen
Du hast mit deinen eigenen Augen gesehen
Mit welchen schlauen Künsten
Du geschaffen wurdest,
Mit welchen Kräften welcher Art du geformt wurdest, und
Aufgehoben auf meine Brust des Himmels?

Wer hat gegeben, wer hat dir gebracht,
Das Wissen von mir?
Hat es dich die Wildnis gelehrt?
Hast du es von der See?
Hast du mit Geistern der Nacht kommuniziert? Haben die
Winde dich beraten?

Habe ich einen solchen Stern gesetzt,
Der dir Licht auf deine Brauen träufelt,
Daß du nun von weitem siehst,
Was ich dir nun zeige?
Habt ihr wie Brüder miteinander gesprochen, die Sonne und
Die Berge und du?

Was ist hier, weißt du es?
Was war, weißt du es?
Prophet nicht und nicht Poet,
Auch nicht Dreifuß oder Thron,
Nicht Geist oder Fleisch können antworten, sondern ausschließlich
Und einzig deine Mutter.

Mutter, nicht Schöpfer,
Geboren, nicht geschaffen;
Auch wenn ihre Kinder sie verlassen,
Angelockt oder verängstigt,
Wenn sie Gebete zu den Göttern, die sie schufen, beten, rührt sie
Sich nicht für alle, die beteten.

Ein Glaubensbekenntnis ist ein Stab,
Und eine Krone der Nacht;
Aber dieses Ding ist Gott,
Um Mensch zu werden mit deiner Macht,
Um aufzuwachsen in der Kraft deines Geistes, und
Sich in das Leben zu ergießen wie das Licht.

Ich bin in dir um dich zu schützen,
So sprach meine Seele in dir;
Gib mir, wie ich dir gebe,
Dein Lebensblut und deinen Atem,
Grüne Blätter deiner Arbeit, weiße Blumen deiner Gedanken,
Und die rote Frucht deines Todes.

Die Art, wie du gibst
Wie die Meinige dir gegenüber;
Das freie Leben deines Seins,
Ist das selbstverständliche Geschenk;
Nicht wie ein Diener oder Herr, nicht wie Meister oder Sklave,
Sollst du dich mir geben.

O Kinder der Verdammnis,
Umwölkte Seelen,
Wo ihr das Licht zu sehen meint,
Ist sein Verbergen von Dauer,
Ihr werdet nicht die Sonne sehen, wie sie Schatten durchbricht
Und die Sterne zum Verschwinden bringt.

Ich sah wo ihr gegangen seid
Auf düsteren Pfaden der Nacht,
Den Schatten, Gott genannt, gesetzt in eure Himmel
Um Licht zu spenden;
Aber der Morgen der Menschheit ist angebrochen, und die
Schattenlose Seele ist in Sicht.

Der Baum, tief und breit verwurzelt,
Der dem Himmel entgegenschwillt
Überschwenglich mit roten Früchten beladen,
Der Lebensbaum bin ich;
In den Knospen Eurer Leben ist die Schwächung meiner Blätter:
Ihr sollt leben und nicht sterben.

Aber die Götter eurer Erfindung,
Die Nehmen und Geben,
In Mitleid und Leidenschaft,
Die Strafen und Vergeben,
Sie sind Würmer, die in der Baumrinde leben, die abfällt;
Sie werden sterben und nicht leben.

Mein eigenes Blut ist es, das aus den
Wunden der Rinde tropft;
Sterne sind in meinen Ästen gefangen
Sie erhellen die Nacht wie den Tag,
Und werden angebetet wie die Sonne, bis der Sonnenaufgang
Ihr Feuer wie ein Funke löscht.

Wenn sich tote Zeitalter unter den
Lebenden Wurzeln des Baumes verstecken,
Und der Donner in meiner Dunkelheit
Bis zum Äußersten geht;
In dem Zusammenschlagen meiner Zweige werdet ihr
Das Rauschen der See hören.

Dieser Lärm ist der der Zeit,
Und ihre Federn sind gespreizt
Und ihre Füße beginnen aufzusteigen
Durch die Zweige über ihr,
Und mein Laub umhüllt sie und raschelt, und
Zweige werden durch ihre Gewalt gebrochen.

Der Sturmwind der Zeitalter
Bläst durch mich hindurch und endet;
Der Kriegswind der wütet,
Der Frühlingswind des Friedens;
Hört ihren Atem meine Zweige schütteln, hört
eine meiner Blüten erwachen.

Alle Geräusche verändern sich,
Alle Schatten und alles Licht
Auf den irdischen Bergpfaden
Und der Ströme reißenden Flut,
Deren Zunge die Zunge des Windes und die Sprache der
Sturmwolken in Nächten voller Erdbeben ist.

Alle Formen aller Gesichter,
Alle Arbeit aller Hände,
Auf unauffindbaren Plätzen
In Zeitlosen Ländern,
Jeder Tod und jedes Leben, und alle Reiche und alle Ruinen,
Fließen durch mich hindurch wie Sand.

Auch wenn meine Bürde mir schwer wird,
Mehr als ihr erahnt,
Und mein Wachsen keinen anderen Grund hat
Als zu Wachsen,
Versage ich nicht darin, nicht wegen den Lichtern über mir
Oder den Totenwürmer unter mir.

Diese haben auch ihren Teil in mir,
Wie ich in ihnen;
Solch ein Feuer ist in meinem Herzen,
Solcher Lebenssaft ist auch in den Zweigen,
Die alle Klänge in sich bergen und alle Geheimnisse der
Unendlichen Länder und der Seen.

In Frühlingsfarbenen Stunden
Wenn mein Gemüt wie der Mai ist,
Da brechen Blumen hervor
In Jahrhunderten voller Tage,
Starke Blüten mit dem Parfüm von Menschheit, schießen heraus
Aus meinem Geist wie Strahlen.

Und das Geräusch, wie sie springen
Und der Geruch ihres Aufbrechens,
Wärmten mich und sangen
Und stärkten meine Wurzeln;
Und das Leben meiner Kinder wurde vollkommen gemacht mit
Freiheit der Seele, meinen Früchten.

Ich gebiete dir zu Sein;
Ich brauche deine Gebete nicht;
Ich brauche dich Frei
Als deinen Mund meines Atem;
Daß mein Herz größer ist in mir, halte meine Früchte
In Ehren.

Mehr als fremde Frucht ist
Das Vertrauen, dem du dich hingibst;
In mir ist nur in den Wurzeln
Was in deinen Zweigen blüht;
Schau nur, daß du deinen Gott, den du dir schufest, nährst
Mit dem Vertrauen, das du ihm gelobtest.

In Dunkelheit und Helligkeit
Abgründe verehrt,
Mit Tagesanbruch und Blitz
Für Licht und Schwert,
Donnert Gott im Himmel, und seine Engel werden rot
Mit dem Zorn des Herrn.

O meine Söhne, O zu ergeben
Gott und nicht mir,
War ich nicht schön genug?
War es zu hart, frei zu sein?
Aber erinnert euch, Ich bin mit euch, bin in euch und von euch;
Blickt vorwärts und seht.

Schaut, mit der Welten Wunder beflügelt,
Mit Geheimnissen beschuht,
Mit dem Feuer seines Donners
Für Kleidung und Stab,
Zittert Gott im Himmel, und seine Engel werden weiß
In dem Schrecken Gottes.

Denn sein Zwielicht kommt über ihn,
Seine Qual ist hier;
Und seine Geister starren dumpf auf ihn,
Grau geworden durch seine Angst;
Und seine letzte Stunde hat ihm geschlagen, das letzte
Seines unendlichen Jahres.

Der Gedanke schuf ihn und bricht ihn,
Wahrheit erschlägt und vergibt;
Aber dir, wie ihm die Zeit verrinnt,
Gibt dir dieses Neue,
Auch Liebe, die geliebte Republik, die gefüttert wird
durch Freiheit und Leben.

Denn wahr ist nur das Leben,
Wahrheit nur ist Vollkommen,
Und die Liebe seines Gebens
Ist der Polarstern und der Pol;
Mensch, Puls meines Zentrums, und Frucht meines Körpers,
Und Saat meiner Seele.

Eine Geburt meines Busens;
Das Geborene meiner Augen;
Eine höchste Blüte
Die den Himmel mißt;
Mensch, Gleich und Eins mit mir, Mensch, aus mir gemacht,
Mensch, welcher Ich ist.

VENUS: Sie haben Ohren, aber hören nicht. Brüder Taurus und Libra, schließt den Schleier.

Sie tun dies.

TEIL I

Zwielicht. VENUS thront erhöht, eingehüllt in Massen roten Haares und Rosen. Der Altar ist mit Rosen bedeckt; auf ihm befindet sich eine kleine Flamme. TAURUS und LIBRA ziehen den inneren Schleier auseinander. LIBRA kehrt zurück und kniet nieder.

LIBRA:

Tochter der Herrlichkeit,
Zartes Kind der Diana
Und dem Vater von Allem, dem Ägäisgeborenen König!
Braut, Tochter, Mutter der Götter,
Königin des gesegneten Hauses
In Zyperns einzigartig strahlender Pracht.
Liebste Schwester, zu mir,
Ich rufe dich laut!
Ich lache über dein Lachen, o Tau, der von der See kommt!

Von Sperlingen und Tauben angezogen,
Und auch des Schwanes Federschmuck der Liebe,
Und des Verschlingens rasche Heftigkeit,
Und, hintergründiger als die Sphinx,
Der unbeschreibliche Fuchs,
Kündigt mit prächtiger Verwirrung der Sinne,
Wenn von dem blauen Firmament
Und aus grün strahlenden Stunden
Des Himmels du selbst der Erde zulächelst, ein Geheimnis der Blumen.

Unten zu der lieblosen See
Wo Persephone liegt,
Geschändet, wo der Schatten der Erde schwarz ist,
Kristallgleich aus dem Raum
Flammt das unsterbliche Gesicht!
Die Herrlichkeit des Weges, wie ein Kometenschweif,
Blendet die schwarze Erde mit Tränen.
Schweigen erwacht und hört
Die Musik deiner Bewegung, die über die Sternenübersäte Sphäre kommt.

In Rosa, Grün und Gold gewickelt,
Strahlend Blau im Faltengewand,
Verbirgt eine Weihrauchwolke die Herrlichkeit deines Lichtes;
Verbirgt vor des Betenden Trübsinn
Deine erhabene Lieblichkeit,
Bis deines Schleiers Herrlichkeit das Leichentuch der Nacht von der Erde nimmt.
Und die Stille spricht
Und sieht die unergründliche Geschwindigkeit
Seiner eigenen Gedanken und die Sprache von Pans Schilfrohr.

LIBRA kehrt zurück.

VENUS: 7777777.
SATURN: Amen.
VENUS: 333-1-333.
LUNA: Amen.
VENUS: 1-55555-1.
LIBRA und PISCES: So sei es…
VENUS: Bruder Saturn, welche Stunde hat geschlagen?
SATURN: Abenddämmerung.
VENUS: Schwester Pisces, welchem Haus sind wir entsprungen?
PISCES: Dem Haus des Todes.
VENUS: Bruder Taurus, was ist stärker als der Tod?
TAURUS: Liebe.
VENUS: Bruder Libra, an welchem Ort befinden wir uns?
LIBRA: Auf dem Berge der Venus, der vom Nabel des Universums über dem großen Abyss hängt.
VENUS: Laßt uns den Ritus der Venus zelebrieren.

LUNA spielt eine Walzermelodie. Die PROBATIONIERE tanzen miteinander.

VENUS: Kinder der Liebe, welche Stunde hat geschlagen?
ALLE: ein konfuses Gemurmel Es ist die Stunde der Liebe.

ALLE sinken zusammen nieder. Die Lichter gehen aus. Eine lange Pause.

TEIL II

VENUS: erwachend 333-1-333.

VENUS ist strahlend beleuchtet, der Rest bleibt in Dunkelheit.

VENUS: Kleiner Bruder, welche Stunde hat geschlagen?
PISCES: Die Morgendämmerung ist nahe.
VENUS: Kleiner Bruder, an welchem Ort befinden wir uns?
TAURUS: Es ist der Heilige Berg unserer Lieben Frau Venus.
VENUS: Kinder, erwacht und frohlockt.
LIBRA: Wie sollen wir frohlocken?
TAURUS: Wie unsere Liebe Frau es vorgeschrieben hat.
LIBRA: Wie ihr mögt.
PISCES: Worin sollen wir frohlocken?
VENUS: In unserer Lieben Frau Venus.
LIBRA: In was ihr wollt.
TAURUS: Dein Wille, unsere Herrin, und nicht unserer, geschehe!
PISCES: Herrin, laß die Anbetungen vollzogen werden!
VENUS: Kinder, stellt euch vor mir auf und frohlockt in der Anbetung meiner Schönheit.

Sie formieren sich, jeder mit seinem Partner. LIBRA verschwindet hinter dem Schleier. TAURUS rezitiert die Anrufung.

TAURUS:
Gegrüßet sei Hathor, Heilige Kuh auf den Weiden des Abends.
Gegrüßet sei Hathor, in den Bergen des Westens; im Land des vollkommenen Friedens, Grüße.
Ein verschlingendes Feuer ist in deiner Seele, und die Leichname der Toten
sind in deinem Atem entzündet.
Gegrüßet sei Hathor, das Kind Isis’ und Nephtys!
Gegrüßet sei Hathor, Apis’ Braut, denn Apis hat den Käfer auf der Zunge!
Ein verschlingendes Feuer ist deine Seele, und die Leichname der Toten
sind in deinem Atem entzündet.
Gegrüßet sei Hathor, deren Perlen die Seelen der Gesegneten von Amenti sind.
Gegrüßet sei Hathor, deren Gürtel die Seelen der Gesegneten von Seb sind.
Gegrüßet sei Hathor, deren Sandalen die Seelen der Gesegneten von Nu sind.
Ein verschlingendes Feuer ist deine Seele, und die Leichname der Toten
sind in deinem Atem entzündet.

Er kehrt zu seinem Thron zurück.

VENUS: Bruder Libra, bist du still? Eine Pause Bruder Libra, wo bist du?

LIBRA: noch verborgen, rezitiert aus Swinburne’s „Atalanta“:

Wir haben dich gesehen, O Liebste, du bist so schön; du bist hübsch, O Liebste;
Deine Flügel erhellen die Luft, wie die Flügel der Taube.
Deine Füße sind wie der Wind, der die Ströme der See teilt;
Die Erde, die dich bedeckt, um dich zu verbergen, ist dein Gewand.
Du bist schnell und subtil und blind wie eine Feuerflamme;
Vor dir ist Lachen, hinter dir die Tränen des Begehrens;
Und umschlungen gehen vor dir ein Mann und ein Mädchen;
Ihre Augen sind die Augen einer Braut deren Vergnügen Angst machen;
Gleich wie der Atem die Knospen erregt, ist ihr Atem als Braut:
Aber Schicksal ist ihr Name, und sein Name ist Tod.

Denn eine böse Blume wurde geboren,
Aus Meerschaum und dem Schäumen des Blutes,
Blutrot und mit bitterer Frucht,
Und ihr Same ist Lachen und Tränen,
Und ihre Blätter Wahnsinn und Verachtung;
Eine bittere Blume aus der Knospe,
Ohne Wurzeln aus dem Meer gesprungen,
Entsprungen, ohne an den Jahren zu haften.

Das Gewebe der Welt war unzerrissen,
Welches aus dem Tag und der Nacht gewebt ist,
Das Haar der Stunden war nicht weiß,
Und die Kleider der Zeit nicht abgetragen,
Als ein Wunder, ein Vergnügen für die Welt,
Eine gefährliche Göttin geboren wurde;
Und die Wellen des Meeres teilten sich, als
Sie kam, und der Schaum zu ihren Füßen,
Schmeichelnd, freute sich eine fleischliche Blume
Zu gebären, eine Flamme
Füllt die Himmel mit ihrer Hitze
Bis zu den kalten Grenzen des Nordens.
Und in der Luft lärmen die Vögel,
Und die Menschen auf der Erde hörten
Süß gesprochene Worte,
Lieblich hingegeben,
Und in den Untiefen und Kanälen und Meeren
Freute sich die schnelle und Fußlose Herde,
Närrisch in ihrem Herzen.
Und alle sagten auf Erden,
Sie ist schön, weiß wie eine Taube,
Und das Leben der Welt atmet in ihrem Atem,
Und wurde bei ihrer Geburt geboren;
Denn sie kannten Dich als Mutter der Liebe,
Und nicht als Mutter des Todes.

Was hattest Du zu tun, um geboren zu werden,
Mutter, als die Winde sacht wehten,
Wie eine Blume im Kornfeld im Frühling,
Eine Blume der Gischt der See?
Denn Du warst bitter seit deiner Geburt,
Aphrodite, Mutter des Streites;
Denn vor Dir war ein wenig Ruhe auf Erden,
Eine kleine Frist bis zu den Tränen,
Ein wenig Vergnügen im Leben;
Denn das Leben war nicht so wie Du bist,
Aber wie eines, das in Jahren heranwächst,
Sozusagen, wie eine fruchtbare Mutter;
Die Erde hatte keine Dornen, und Wünsche,
Keinen Schmerz, nicht Tod noch Pfeil;
Was hattest Du unter Diesen zu tun,
Du, mit brennendem Feuer gekleidet,
Du, mit Sorgen im Herzen gegürtet,
Du, aus den Samen der See entsprungen
Als ein Ähre aus den Samen des Kornes,
Eine Flamme, aus einem Scheiterhaufen emporspringend,
Als ein Strahl, den das Morgenrot vergießt,
Um Seelen und Krankheit zu teilen,
Für einen Pfeil und einen Stachel und einen Dorn?
Was schmerzte Dich so, daß Du geboren wurdest?

War da nicht genug Böses,
Mutter, und Qual auf der Erde,
Mit der Geburt des Menschen geboren,
Wüsten unter seinen Füßen, und über ihm
Stürme aus den Himmeln, und Mangel
Über ihm ausgeschüttet aus dem Licht oben,
Wracks in den fernen Meeren
Und die Gefahr von Untiefen und Riffen,
Und Tränen, die fließen und mehr werden,
In den unfruchtbaren Plätzen des Frohsinns,
Und Du, Flügel besitzend wie eine Taube,
Dennoch mit dem Wunsch gegürtet, gebunden zu sein,
Daß du Dich nach Ihm sehnst,
Und Ihn mit Liebe überschüttest?

Du hättest so nicht geboren werden müssen;
Aber Tod hätte mit Dir aufstehen sollen,
Mutter, und sichtbare Furcht,
Sorgen und Händeringen,
Und das Geschrei vieler, die Trauern;
Die geschlagene Brust, die Knie
Gebeugt, und in jedes Menschen Ohr
Ein Schrei des zugrunde gehenden Landes,
Ein Wehklagen wie von Menschen im Gefängnis,
Ein Tumult unendlicher Nöte;
Und der Donner der Stürme im Sand,
Und das Wehklagen der Wellen am Ufer;
Und unter Dir erstehen neu
Gefährliche Untiefen und Schiffszertrümmernde Riffe,
Wütende Luft und gewalttätiges Licht;
Zerrissene Segel und gebrochene Ruder,
Dunkelheit, und Geräusche der Nacht;
Widerstreitende Ströme in der See,
Welle gegen Welle wie Schwerter,
Geschrei der Ströme, und Schaum;
Regen ruiniert die Erde,
Winde, die wachsen und gierig herumstreifen
Wie Wölfe in einem Wolfsrudel;
Früchte wachsen vergeblich in den Bäumen,
Und blinde Dinge sterben während ihrer Geburt;
Hungersnot, und das Verderben des Kornes,
So war die Zeit, als Du geboren wurdest.

LIBRA erscheint und tritt ihr entgegen.

All das ist uns bekannt; und doch,
Wer soll dich erkennen oder dich erklären?
An den äußersten Grenzen der See
Das Licht Deiner Augenlider und Haare,
Das Licht Deines Busens wie Feuer
Zwischen dem Rad der Sonne
Und den strahlenden Flammen der Luft?
Du wirst dich nicht umdrehen oder Mitleid haben,
Aber verweilen mit Verzweiflung und Verlangen
Und das Schreien von losgelassenen Armeen,
Das Trauern des Einen mit dem Anderen
Und das Zerstören einer Stadt nach der anderen;
Das Trennen des Freundes vom Freund,
Wenn Bruder den Bruder verläßt;
Wirst Du dieses alles zu einem völligen Ende bringen?
Habe Mitleid, Mutter!

VENUS: Nein, Bruder, sei Du der erste meiner Erwählten.
LIBRA: Ach!
VENUS: Ja, Bruder: am Ende wenden sich alle mir zu und alle kehren zu mir zurück.
Isis bin ich, und genährt von meinem Leben ist
Jeglicher Regen und alle Sonnen, alle Monde die zu- und abnehmen;
Alle Sterne und Ströme, die Toten und die Lebendigen,
Das Mysterium von Lust und Schmerz.
Ich bin die Mutter! Ich, die sprechende See!
Ich bin die Erde und ihre Fruchtbarkeit!
Leben, Tod, Liebe, Haß, Licht, Dunkelheit, kehren zu mir zurück –
Zu mir!

Hathor bin ich, und meiner Schönheit neigen sich
Alle Herrlichkeiten des Universums zu,
Die Blüten und die Berge und der Sonnenaufgang,
Früchte quellen, und Frauen, die Krone unserer Schöpfung.
Ich bin die Priesterin, das Opfer, der Schrein,
Ich bin die Liebe und das Leben des Heiligsten!
Leben, Tod, Liebe, Haß, Licht, Dunkelheit sind sicher mein –
Sind mein!

Venus bin ich, die Liebe und das Licht der Erde,
Der Reichtum der Küsse, das Entzücken der Tränen,
Unfruchtbares Vergnügen wird niemals geboren,
Diese endlosen, ewigen Wünsche der Jahre.
Ich bin der Schrein in welchem dein großes Verlangen
Dich mit unbarmherzigem Feuer verschlingt.
Ich war Lied, Musik, Leidenschaft, Tod, auf deiner Lyra –
Deiner Lyra!

Ich bin jetzt der Gral und die Herrlichkeit:
Ich bin die Flamme und der Brennstoff deines Herzens;
Ich bin der Stern Gottes auf deiner Braue;
Ich bin deine Königin, in Entzücken und Besessenheit.
Verbirg dich, süßer Fluß; willkommen im Meer,
Ozean der Liebe, der dich umfassen wird!
Liebe, Tod, Liebe, Haß, Licht, Dunkelheit, kehren zu mir zurück –
Zu mir!

PISCES führt einen schläfrigen, sinnlichen Tanz aus, und kehrt zum Thron der VENUS zurück, in sich selbst versunken und wie erschöpft.

Steh auf, steh auf, mein Ritter! Mein König! Meine Liebe, auf!
Sieh die Friedhofsalleen des Paradieses,
Die taufeuchten Lärchen krümmen sich unter meinem Atem,
Bedeutungsschwangere Zedern prophezeien Tod!

Sie wird von der Violine der inthronisierten LUNA unterbrochen, die eine unglaubliche Melodie [Romanze in D: Beethoven] spielt. PISCES zeigt Schmerz.

VENUS: Bruder Libra, welches Lied ist dies?

LIBRA:
Meine Seele ist ein entflammtes Boot,
Welches, wie ein schlafender Schwan, hinunter fährt
Auf den silbernen Wellen deines süßen Gesanges;
Und du sitzt wie ein Engel
Am Steuerruder und führst es,
Während alle Winde in die Melodie einstimmen.
Es scheint ewig zu fließen, für immer,
Auf den vielen Windungen des Flusses,
Zwischen Bergen, Wäldern, Abgründen,
Ein Paradies der Wildheit!
Bis ich, wie jemand, der in Schlummer versunken ist,
Dem Ozean zugehörig, hinunter fließe, umher,
In den unergründlichen See von ewig sich ausbreitendem Gesang.

Indessen erhebt dein Geist seine Schwingen
In der Musik heiteren Herrschaft;
Die Winde einfangend, die den glücklichen Himmel entfachen.
Und wir segeln weiter, fort, von dannen,
Ohne Kurs, ohne Stern,
Aber vom Gefühl süßer Musik getrieben;
Bis in Elysischen Gärten und Inseln,
Wo niemals Sterbliche hindurch glitten,
Durch Dich, schönste aller Piloten,
Das Boot meiner Wünsche beschützt wird;
Bereiche, in denen die Luft, die wir atmen, Liebe ist,
Die sich in den Winden und in den Wellen bewegt,
Die Erde mit dem, was wir oben fühlen, vereinigt.

Wir passierten des Alters eisige Gruft,
Und der Menschheit dunkle und aufgepeitschte Wellen,
Und der Jugend sanften Ozean, lächelnd, um verraten zu werden;
Jenseits des glasigen Golfes fliehen wir
Vor der schattenerfüllten Kindheit,
Durch Tod und Geburt, zu einem heiligeren Tag;
Ein Paradies von Gewölben mit geschwungenen Bögen,
Erleuchtet von sich uns zuneigenden Blumen,
Und wäßrigen Pfaden, die sich winden zwischen
Grüner und stiller Wildnis,
Bevölkert von Schemen, die zu klug sind, um gesehen zu werden,
Und ruhen, wo sie anhielten; irgendwie wie Du,
Die über die See geht und melodiös singt!

VENUS zeigt Schmerz. PISCES schlüpft zum Thron von LUNA.
LUNA spielt eine siegreiche Melodie [Polonaise in D: Wieniawski].

VENUS: Oh! Oh!
LIBRA: Heiliger als Freude ist Schmerz; edler ist Entsagung als Befriedigung; Von Trägheit und
Glauben wenden wir uns der Arbeit und der Wissenschaft zu; von den harmlosen Siegen
des Körpers zu den wilden Triumphen des Geistes.
VENUS: Das ist der Niedergang des Tempels.
LIBRA: Denn aus dir kommt der Ausdruck der Gegenwart; aber von der Zukunft kein Wort.
VENUS: Und du willst?
LIBRA: Das Wort.

SATURN kommt hervor und tanzt seinen Tanz, und fällt, den Saum von LIBRAS Robe umfassend.

VENUS: Wer ist dies? Dies sind nicht meine Tänze; diese Schritte halten nicht meine Maße; nicht
mich verehrt er mit den Schritten und Pausen seiner Füße.

LUNA spielt eine wilde und schreckliche Melodie [Witches’ s Dance: Paganini]. SATURN zerrt LIBRA nach hinten ins Halbdunkel. Die Gruppe der PROBATIONIERE tut desgleichen; MARS mit MARS und VENUS mit VENUS. Einige stehen auch isoliert.

VENUS: Bruder Taurus, bist du getreu, du allein?
TAURUS: weder verführerisch noch ironisch Kennst du mich nicht?
VENUS: Ja, mein Geliebter, Herr all meiner Tauben.
TAURUS: Venus, unsere Herrin!
VENUS: Komm zu mir!

Sie erhebt sich halb und zieht ihn zu sich.

TAURUS: Hinter den Schleier?
VENUS: Es gibt keinen Schleier vor meinem Schrein!

Sie öffnet seine Robe. Als diese fällt, springt er mit dem Caduceus heraus als MERKUR und trampelt sie unter seine Füße.

TAURUS: Im Anfang war das Wort; und das Wort war mit Gott; und das Wort war Gott!

Alle kommen hervor; SATURN und LIBRA verbunden; LUNA und PISCES verbunden; und verbeugen sich vor ihm.

LUNA: Der Verrat ist vollendet.
PISCES: Der Geist ist edler als der Körper.
SATURN: Freundschaft ist heiliger als Liebe.
LIBRA: Die Natur ist übertroffen von der Intelligenz.
PISCES: Wie sollen wir dich verehren?
TAURUS: Wie ihr wollt.
SATURN: Was sollen wir opfern?
TAURUS: Was ihr wollt.

LUNA spielt ein Moto perpetuo [Ries]. Alle verbeugen sich in Anbetung vor MERKUR.

LIBRA: Bruder, welche Stunde hat geschlagen?
PISCES: Morgendämmerung.
LIBRA: Laßt uns gehen und unser Tagwerk verrichten.
ALLE: Amen.



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