Sajaha 4

SAJAHA 4

(„Träume“)

Von den Träumen, die nächtens euch kommen, will ich zu euch sprechen, von merkwürdigen Dingen, von fremden Dingen, will sie euch entdecken [=enthüllen].

Denn es gibt Träume unterschiedlicher Art. Es gibt solche, die euch in den Welten des Schlafs wandeln lassen. Es gibt solche, die ein anderer euch bringt. Es gibt auch solche, die ihr anderen schafft. Und auch gibt es welche, die grenzenlos enteilen.

Manches seht ihr wohl im Schlafe, was bloß eine Spiegelung des Tages bedeutet. Solches ist kein [wirklicher] Traum; solches ist Aneinanderreihen von Bildern ohne tieferen Sinn.

Wenn aber im Schlafe der innere Leib sich aus dem äußeren hebt, dann habt ihr Träume! Denn es ist so, daß der innere Leib, welcher aus dem Gottesreich stammt, den äußeren, der seine Nachgeburt für den Aufenthalt in der Diesseitswelt ist, nicht ununterbrochen tragen kann. Und deshalb kommt der Schlaf. Während der Stunden des Schlafes ruhen Geist und innerer Körper [Seele] sich aus.

Und so verläßt dann der Geist den irdischen Leib und unternimmt Ausflüge. Dabei sucht er sich oft einen anderen Menschen, dessen [Wesens-] Schwingung der seinen ähnlich ist, und zieht zeitweilig in diesen ein. Und wenn ihr in euren Träumen vieles gar deutlich erlebt, so ist all dies wirklich geschehen. Jedoch nicht euch, sondern jenem Menschen, in den euer Geist als Gast eingezogen war, um sich tragen zu lassen und still mitzuerleben.

Es kann aber auch andersherum geschehen, daß der Geist eines anderen Schlafenden sich zu dem eurigen gesellt. Dieser bringt Bilder aus seinem Leben mit, und diese vermischen sich mit euren eigenen. Und oft mag es wirr erscheinen. Alle Bilder aber sind echt in ihrer Weise.

Dies aber sind noch die kleinen Bahnen der Träume. Es gibt größere, die bedeutsamer sind. Wenn etwa euer Geist ganz auszieht und sich völlig in die Welten des Schlafes hineinbegibt. Dort begegnen sich zahlreiche Geister von Schlafenden und sind dort miteinander beisammen. So sind Bilder, deren ihr euch nach dem Erwachen erinnert, häufig sehr fremd für euch.

Noch weitere Bahn aber kann bis an die Grenzen von Grünland führen – und womöglich sogar ein Stück dort hinein. Dann erlebt euer Geist gar viel in den Stunden des Schlafes – und weit reicht sein Blick.

Denn von dort aus sieht er auch die Wesen der Erdenwelt in deren Wahrheit, nichts bleibt ihm verborgen, alle Gedanken liegen offen vor ihm. Und was ihr euch von dort merkt, das ist wahrlich wichtiges Wissen.

Es kann aber auch geschehen, wenn euer schlafruhender Erdenleib von eurem eigenen Geiste verlassen ist, daß fremde und dämonenhafte Geister vielleicht zeitweilig da Einzug halten. Solches geschieht, wenn die Seele nicht stark genug ist, den [irdischen] Körper gegen das Eindringen von Fremden abzuschließen. Und dann lauert Gefahr.

Alles das, was ihr in den wirklichen Träumen seht und durchlebt, das ist irgendwo wirklich. Nichts ist bloßer Schein.

Und es ist auch möglich, euch manches daraus zu deuten. Weil sich der Geist ja nicht zufällige Wege sucht, sondern aufgrund seiner Wesensart – oder aber weil er sucht, woran es ihm ermangelt. Viel könnt ihr lernen daraus.

Wenn euch eure gehabten Träume oft wirr vorkommen, nach dem Erwachen, so liegt das bloß daran, daß ihr euch ihrer nicht mehr richtig oder nur unvollständig erinnert, und auch die Erinnerung an verschiedene Träume, die ihr hattet, durcheinanderbringt.

Und es kommt noch zu alledem das Wissen, daß alles, was einen Geist hat, auch träumt; und zwar auch dort, wo der Geist kein begreifender ist – also bei den Tieren und bei den Pflanzen.

Denn alle diese Wesen kamen ja einstmals aus den Gefilden des Gottesreiches, den Begreifenden [Engeln/Menschen] nachfolgend, oder auch von diesen mitgezogen. Und alle haben sie einen Geist nach ihrer Art, und dieser verläßt also auch schlafend seinen irdischen Leib von Mal zu Mal.

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