Das verlorene Labyrinth des alten Ägypten

dward860_clip_image001

Herodot selbst, war es, der behauptete dieses Juwel ägyptischer Baukunst besucht zu haben. Das ägyptische Labyrinth war ein gewaltiges Bauwerk an den Ufern eines Sees, der eine siebentägige Reise auf dem Nil von den Pyramiden Gizehs entfernt lag. Der Tempel war in zwölf große Höfe unterteilt, deren Wände mit Skulpturen bedeckt waren. Eine große Pyramide, die mit Kollosalfiguren geschmückt war, war durch eine unterirdische Passage mit dem Labyrinth verbunden. Herodot bezeichnete dieses Bauwerk als ein Wunder, das selbst die Pyramiden Gizehs in den Schatten stelle.

„Ich habe es noch gesehen; es übersteigt alle Worte. Wenn man in Griechenland die ähnlichen Mauerbauten und andere Bauwerke zusammennähme, so stecken in ihnen noch nicht so viel Arbeit und Geld wie in diesem einen Labyrinth. Dabei ist doch der Tempel von Ephesos und der auf Samos recht ansehnlich. Gewiß übertrafen schon die Pyramiden jede Beschreibung, und jede von ihnen wog viele große Werke der Griechen auf; das Labyrinth aber überbietet sogar die Pyramiden.

Es hat zwölf überdachte Höfe, deren Tore einander gegenüberliegen, sechs im Norden, sechs im Süden, alle dicht nebeneinander. Ringsum alle läuft eine einzige Mauer, zwei Arten von Kammern sind in diesem Gebäude, unterirdische und darüber oberirdische, zusammen dreitausend, je tausendfünfhundert von beiden Arten. Durch die oberirdischen Räume bin ich betrachtend selbst gegangen und spreche aus eigener Erfahrung; von den Kammern unter der Erde habe ich mir nur erzählen lassen. Denn die ägyptischen Aufseher wollten sie auf keinen Fall zeigen, sie erklärten, dort befänden sich die Särge der Könige, die dieses Labyrinth von Anfang an gebaut hatten, und die Särge der heiligen Krokodile.

So kann ich von den unteren Kammern also nur sagen, was ich gehört habe; die oberen, die ich mit eigenen Augen sehen konnte, sind ein geradezu übermenschliches Werk … An die Ecke am Ende des Labyrinths stößt eine vierzig Klafter große Pyramide an, in die riesige Figuren eingehauen sind. Ein unterirdischer Gang führt in das Innere der Pyramide … Doch ein noch größeres Wunderwerk bietet der sogenannte Moeris-See, an dessen Ufern dieses Labyrinth errichtet ist … daß er ein Menschenwerk und künstlich gegraben ist, sieht man deutlich. Denn in der Mitte des Sees stehen zwei Pyramiden, die fünfzig Klafter hoch aus dem Wasser hervorragen und ebenso tief hineinreichen. Auf beiden Pyramiden steht ein Kolossalbild aus Stein, eine auf einem Thron sitzende Figur…

egyptlab12

Im ersten Jahrhundert vor Christus war der gelehrte Strabon der einzige andere Augenzeuge des Labyrinths, dessen Berichte bis in unsere heutige Zeit überdauerten. Strabon nannte es einen riesigen Palast bestehend aus vielen Palästen, er bewunderte die enormen größe der Steine, die die Ägypter für die Decke und die Wände verwendeten. Er beschrieb ebenfalls die zahlreichen großen Höfe, jeder mit seinem eigenen Eingang, vor diesen Eingängen beschreibt er die zahlreichen Krypten und ihre sich windenden Passagen, die sich so miteinander verbanden, dass kein Fremder seinen Weg, ohne Führung, in die Höfe oder wieder hinaus fände.

Obwohl nicht gekärt ist, wann dieser Komplex errichtet wurde, war er zu Zeiten Herodots Besuches schon mindestens 1300 Jahre alt. Man nimmt einen Errichtungszeitraum etwa 1900 v.Chr. an. Das Labyrinth Ägyptens ist somit eines der ältesten der Menschen bekannten Labyrinthe, wenn auch verschollen.

Herodot vermutete, dass die unteren Ebenen des Labyrinths die Gräber der Könige und der heiligen Krokodile enthalten, da ihm der Zutritt zu diesen verwehrt wurde. Es war nicht unüblich bei den alten Ägyptern, heilige Bullen in verschlungenen Anlagen und Tempeln unter der Erde zu bestatten.Die Aussage Herodots, lässt ausserdem Vermuten, das die unteren Ebenen des Labyrinths auch der ältere Teil des des Komplexes war.

pyramid-of-Amenemhat-III-in-Hawara

Verwendungszweck des Labyrinths

Einige Hinweise deuten darauf hin, dass das Labyrinth zu verschiedenen Zwecken genutzt wurde. Der ältere untere Teil des Komplexes wurde als Begräbnistempel für Pharao Amenemhet III (ca. 1.900 v.Chr.) verwendet, der Ort an dem die Ägypter täglich ihre Opfergaben an Amenemhets Geist brachten, um ihm auch Wohlstand und Erfolg im jenseitigen Leben zu garantieren.

Vermutlich diente der Labyrinthkomplex auch als Kultzentrum, Versammlungsort der Herrscher der Verwaltungsbezirke und auch als administratives Zentrum für ägyptische Gesandte und Politiker. Selbst die am Komplex anscließende Pyramide zeichnet sich durch ein unterirdisches Labyrinth aus, dass dazu dienen sollte Amenemhets Mumie vor Grabräubern zu schützen.

Als Herodot das Labyrinth besuchte, war es bereits über 1.300 Jahre alt und wahrscheinlich schon zum Teil dem Verfall ausgesetzt. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesem Bauwerk um eine gewaltige Ansammlung von miteinander verbundenen Gebäuden, Schreinen, Passagen und Höfen. Von denen zwar einige noch in Benutzung, allerdings schon einige Teile des Labyrinths zu Ruinen verfallen waren.

Der verwirrende Grundriss und seine schiere Größe, bescherte dem Labyrinth den Ruf als eines der vier berühmten Labyrinthe der Antike. Trotz der Größe dieses Komplexes, gilt das Labyrinth der Ägypter noch immer als verschollen. Im Jahre 2008 versuchte eine Expedition das Labyrinth zu lokalisieren, das Team um Louis de Cordier untersuchte den Boden und stiessen auf eine riesige Steinplatte, unter der auch Hohlräume zu sein scheinen.

Vielleicht ist es doch nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses einzigartige Bauwerk wiederentdeckt wird und mit ihm all sein verloren geglaubtes Wissen.