Übersicht: Die Archetypen der menschlichen Natur

Carl Gustav Jung (1875 – 1961) war einer der einflussreichsten Vertreter seines Faches, der damals noch jungen Disziplin der Psychologie. Von 1909 bis 1912 arbeitete er für und mit Sigmund Freud zusammen, da ihre Erkenntnisse später nicht mehr miteinander vereinbar waren.

Die zahllosen Gesichter der menschlichen Psyche werden zu einem faszinierendem Abenteuerspielplatz, wenn man nun Jungs Archetypen auf sie anwendet. Benutzt in Traumarbeiten, Geschichten aber auch in psychologischen Methoden, bieten Carl Gustav Jungs Urbilder, eine Art Katalog der verschiedenen Charaktere des Menschen. Er war der Meinung, dass jede Person in der Lage sein sollte die Hauptarchetypen zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten, die einem im Leben begegnen. Um sie und sich selber und die Art und Weise, wie man sie betrachtet besser zu verstehen.

Hier soll eine adaptierte Übersicht und Einführung gegeben sein, Ziel ist es nicht sich in einem oder zwei dieser Archetypen wiederzuerkennen, sondern zu verstehen, dass unsere Persönlichkeiten alle Facetten dieser nahezu unzähligen Archetypen in gewissen Aspekten und Ausprägungen wiederspiegeln.

Das Kind

Gerard_David_-_The_rest_on_the_flight_into_Egypt_(National_Gallery_of_Art)

Der Waise, das verwundete Kind, die Natur, magisch, göttlich und ewig.  Das ewige Kind liegt uns allen zu Grunde, vielsagend über die tiefsten Wünsche, die in unseren Herzen verborgen liegen.

Der Waise ist das verlorene kind, ohne eine feste Identität, ist es ihm möglich tiefen Schmerz zu empfinden, die Welt und das Leben so zu betrachten wie sie sind, ohne sich ihnen anzuhängen. Seine Verletzlichkeit erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind zum Opfer wird. Vom eigenen Verlust letztendlich konsumiert, hofft es, dass es irgendwann doch ein mal gerettet wird. In der Illusion, das Glaube mehr bewirkt als die eigenen Handlungen.

Das Kind repräsentiert den Weisen, der sich auf dem Heimweg befindet. Sie sind Propheten, die viel zu lehren haben, ruhig und wissend, schon in jungen Jahren. Es steht für den Sinn der Unschuld und der wahren liebenden Natur.

Der Herrscher

der_Herrscher

Auch der Patriarch oder der König, der Herrscher nutzt seine Führungsqualitäten um sich selbst auszudrücken und zu erforschen. Wie wir Menschen behandeln, wenn uns große Verantwortung verliehen wird, kann uns eine Menge über uns lehren. Die Geschichtsbücher sind voll mit diesem Archetypen, vom wohlwollenden und mächtigen Herrscher bis zum Leid- und Schreckenverbreitendem Tyrannen.

Der Narr

fool

Der Narr oder der Komiker, ist verbittert und nutzt seinen humor um grausame Hiebe in seinem Umfeld zu verteilen. Manchmal offenkundig aber auch als versteckter Schwindler, der zur immerwährenden Komödie des Lebens einlädt. Der Narr versucht uns von der harten Realität zu lösen und alles mit einer Griebe Salz zu versehen, meist geschieht dies jedoch auf scheinbar gemeinem Wege. Er ist ein Meister ohne emotionale Bindung oder Familie, aber kann einen großen Einfluss ausüben oder ein Interesse entfachen wenn man auf ihn trifft.

Er steht für die Täuschung und sein gewitzter Humor übt großen Einfluss aus, ihr Pfad folgt einer höheren Eingebung als Liebe und Beziehungen. Sie freunden sich gern mit Kindes Archetypen an um die Unschuld wiederzuspiegeln.

Der Visionär

mage

Der Schöpfer, der Magier, der Visionär und Revolutionär, sind eigentlich ganz Unterschiedliche Archetypen, die jedoch viel mehr gemeinsam haben als man annehmen mag. Sie sind diejenigen die mit ihrem unabhängigen Denken die Mengen anführen. Ihre Ideen sind immer einen Schritt vorraus. Der Magier im Tarot wird oft als der Meister der Worte und der vier Elemente dargestellt. Ebenso der Erfinder und der Wissenschaftler. Der Revolutionär wird normalerweise durch seine Handlungen inspiriert, der einsame Rebell sich gegen den Strich vorarbeitend. Stets belächelt auf dem Wege zum Ziel, doch wenn er es erreicht. Ist er einer dem gefolgt wird, mit Hingabe und solidarität leitet er seine Gefolgschaft.

Der Held

hero

Der Held, derjenige, der die Bequemlichkeit seiner Heimat aufgibt um sich selbst zu finden. Er zieht in die Welt um schreckliche Monster zu erlegen und wenn er zurückkehrt seine eigenen Dämonen bezwingt. Wie fast alle Reisen die wir antreten, ist es so das wir so weit fortgegangen sind, nur um zu erkennen, dass das was wir suchten schon vor unserer Türschwelle lag. Wie bei Freuds Oedipus wird man manchmal soweit in die entfernung gelockt, dass einem illusionstrunken schwere Fehler unterlaufen. Von Angesicht zu Angesicht mit seinen schlimmsten Albträumen und ihren Konsequenzen. Andererseits ist der einfache Held einer der abenteuerlichsten und aufregendsten Archetypen. In allen ruht ein Held oder eine Heldin, ein Aspekt der von vielen, meist in der Form der Entfaltung des eigentlichen Potentials, gemieden wird.

Der Meister

master

Der Meister, Führer, Heiler oder Lehrer ein Urbild, mit Vorsicht zu begegnen, wenn machttrunken. Oft tauchen sie zweigesichtig auf, ähnlich dem Politiker oder dem Prediger, der seiner Agenda folgt. Dem Intuitiven fällt der Falsche in den Blick und er erkennt, dass der wahre Lehrer die Tücken seines Ichs überwunden hat und sich mit Hingabe denen widmete denen er zu helfen suchte. Das zu praktizieren, was man predigt, einen Schritt zurücktreten um anderen einen vorraus zu ermöglichen ist sein Weg.

Der Suchende

hermit

Der Wanderer, Schüler, und Träumer, der Suchende scheint Ziellos umherzuwandern, ohne einen Anhaltspunkt, doch ist er der zugänglichste für die spirituelle Transformation. Im Gegensatz zum Helden verhält sich der Suchende viel diskreter, im geheimen und nomadisch zieht er umher, um alle möglichen Erfahrungen zu machen. Wo die reale Gefahr droht, beginnt das Abenteuer für den Suchenden. Eine scheinbar verlorene Seele, kann den wahren Mut aufbringen sich von allem zu lösen. Ein Schüler dessen Durst nach Wissen und Weisheit, ihn stets begleitet, kaum stillbar außer von der Erleuchtung selbst. Sucht er nach Antworten auf seine Fragen, überall nach einem wahren Meister. Oder bis er letztendlich ein Meister seines selbst wird.

Quelle