Chaturanga, der indische Ahne des modernen Schach

Chaturanga ist ein altes indisches Spiel, von dem man annimmt, das es den Ursprung von Schach und anderen ähnlichen Brettspielen bildet. Spätestens seit 600 n. Chr. bekannt wird es für die allgemein älteste Schachversion gehalten.

Die persische Version Chatrang ist der direkte vorläufer der arabischen Version des Spiels, mit der Schach ins mittelalterliche Europa gelangte. In Sanskrit bedeutet Chaturanga wörtlich „vierteilig“ und bezieht sich auf die vier Truppengattungen des altindischen Heeres, die neben dem König und seinem Berater aus  Infanterie, Kriegselefanten, Kavallerie und Streitwagen bestand.

Figuren und Regeln

Chaturanga-Spielsteine
Chess kll44.pngChess kdl44.png Ràja (König)
Chess qll44.pngChess qdl44.png Mantri (Berater)
Chess rll44.pngChess rdl44.png Ratha (Wagen)
Chess bll44.pngChess bdl44.png Gaja (Elefant)
Chess nll44.pngChess ndl44.png Ashva (Springer)
Chess pll44.pngChess pdl44.png Padàti (Soldat)
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8 Chess rdl45.svg Chess ndl45.svg Chess bdl45.svg Chess kdl45.svg Chess qdl45.svg Chess bdl45.svg Chess ndl45.svg Chess rdl45.svg 8
7 Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg Chess pdl45.svg 7
6 Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg 6
5 Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg 5
4 Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg 4
3 Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg Chess l45.svg 3
2 Chess pll45.svg Chess pll45.svg Chess pll45.svg Chess pll45.svg Chess pll45.svg Chess pll45.svg Chess pll45.svg Chess pll45.svg 2
1 Chess rll45.svg Chess nll45.svg Chess bll45.svg Chess qll45.svg Chess kll45.svg Chess bll45.svg Chess nll45.svg Chess rll45.svg 1
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Chaturanga: Position der Steine zu Spielbeginn. Anders als im Schach stehen die Ràjas einander nicht gegenüber; der weiße Ràja beginnt auf e1 und der schwarze Ràja auf d8.

Die genauen Regeln des Chaturanga sind nicht bekannt. Schachhistoriker glauben allerdings, dass das Spiel dieselben oder sehr ähnliche Regeln wie Schatrandsch hatte. Vor allem ist die Zugweise des Gaja – des Elefanten und Vorläufer des Läufers im modernen Schach – unklar.

  • Ràja (König); auch Raja oder Rajah – bewegt sich wie der König im Schach oder Schatrandsch. Nach manchen Quellen darf der Ràja sich auch einmal wie ein Springer bewegen, sofern ihm nicht Schach geboten wurde.
  • Mantri (Berater); auch als Senapati (General) bekannt – bewegt sich ein Feld diagonal wie der Fers im Schatrandsch.
  • Ratha (Wagen) – bewegt sich wie der Turm im Schach oder Schatrandsch.
  • Gaja (Elefant) – drei verschiedene Zugweisen werden in der alten Literatur beschrieben:
    1. Zwei Felder in eine beliebige, diagonale Richtung, wobei er ein Feld überspringt wie der Alfil im Schatrandsch. Das ist wahrscheinlich die älteste Zugweise.
      • Dieselbe Zugweise ist für das Boot in einer Version des Chaturangas für vier Spieler, dem Chaturaji, üblich.
      • Der Elefant im Xiangqi (Chinesisches Schach) zieht ähnlich, aber ohne springen zu können. Im Märchenschach wird der Name „Elefant“ für eine Spielfigur verwendet, die zwei Felder diagonal ziehen kann, falls keine andere Figur dazwischen steht.
    2. Ein Feld vorwärts oder ein Feld in eine beliebige, diagonale Richtung (man denke an die vier Beine und den Rüssel des Elefanten).
      • Das ist derselbe Zug wie der des Silbernen Generals im Shogi.
      • Im Makruk (Thai-Schach) und Sittuyin (Burmesisches Schach) bewegt sich der Elefant auf diese Weise.
      • Dieser Zug wurde um 1030 von Biruni in seinem Indien-Buch beschrieben.
    3. Zwei Felder in eine beliebige, orthogonale Richtung, wobei er ein Feld überspringt.
      • Ein Spielstein mit dieser Zugweise heißt in manchen Schachvarianten Dabbābah.[3] Dieser Zug wurde von dem arabischen Schachmeister al-Adli[4] um 840 in seinem teilweise verloren gegangenen Werk über Schach beschrieben. (Das arabische Wort dabbābah bezeichnete früher eine oben bedeckte Belagerungsmaschine, um Festungen anzugreifen, und bedeutet heute „Panzer“).
      • Der deutsche Historiker Johannes Kohtz (1843–1918) schlägt dagegen vor, dass dies die ursprüngliche Zugweise des Ratha war.[5]
  • Ashva (Springer); auch Ashwa oder Asva geschrieben – bewegt sich wie der Springer im Schach oder Schatrandsch. (Dieser ausgefallene Zug kennzeichnet ein Spiel als einen wahrscheinlichen Abkömmling des Chaturanga.)
  • Padàti (Fußsoldat); auch Pedati geschrieben oder als Sainik (Krieger?) bekannt – bewegt sich wie der Bauer im Schach oder Schatrandsch.

Al-Adli erwähnt auch zwei weitere Unterschiede zum Schatrandsch:

  • Ein Patt galt als Sieg für einen Patt gesetzten Spieler. Diese Regel wirkt nicht logisch, taucht allerdings in einigen Schachvarianten in England um 1600 wieder auf. Nach einigen Quellen gab es kein Patt, was unwahrscheinlich ist.
  • Der Spieler, der zuerst den König des Gegners entblößt hat (alle Steine bis auf den König gefangen hat) gewinnt. Im Schatrandsch gilt das ebenfalls als Sieg, sofern der Gegner den König des Spielers nicht im Gegenzug ebenfalls entblößen kann.

Quelle